E-Commerce-Verpackung: Ein blinder Fleck im Retourenmanagement?

Kategorie: E-Commerce

550 Millionen Retouren jährlich: Laut Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg ist das Niveau der Rücksendungen im Onlinehandel unverändert hoch. Fast jede vierte Bestellung wird komplett oder mit einem Teil der Ware zurückgeschickt.

Aus Händlersicht liegt die retournierte Artikelquote im Durchschnitt aller Produktgruppen zwischen 6 und 10 Prozent. In Warengruppen mit hoher Anprobe- und Auswahlquote wie Bekleidung und Schuhe liegt die Quote deutlich höher: Etwa über 80 % der retournierten Pakete und rund 90 % der retournierten Artikel entfallen auf das Modesegment.

Die Herausforderung: Jede Rücksendung verursacht Bearbeitungskosten, Transportkosten, Wiederaufbereitungskosten und Lagerkosten. Im Schnitt 5 bis 10 Euro pro Artikel, während der Wert der Ware sinkt.

Entsprechend wichtig ist das Retourenmanagement. Wenn Onlinehändler über Optimierungen im Retourenhandling sprechen, stehen meist eine bessere Produktpräsentation und digitale Rücksendeprozesse im Fokus. Ein Faktor wird häufig unterschätzt, obwohl er das Retourenmanagement dreifach beeinflusst: Die Versandverpackung wirkt sich auf die Retourenquote, die Retourenkosten und das Kundenerlebnis aus.

Grund genug, die Verpackung nicht nur als E-Commerce-Kostenfaktor, sondern als aktiven Hebel im Retourenmanagement zu betrachten.

#1 Die Versandverpackung vermeidet Transportschäden beim Hinweg

Neben Passform-Problemen zählt beschädigte oder fehlerhafte Ware zu den häufigsten Retourengründen im E-Commerce. Kommt ein Artikel beschädigt beim Kunden an, ist die Retoure vorprogrammiert – inklusive Reklamationsaufwand, Ersatzlieferung und enttäuschten Kunden.

Wie gut eine Versandverpackung ihre Produktschutz-Funktion erfüllt, entscheidet sich an vielen Stellen:

  • Materialstärke und Reißfestigkeit. Dünnes oder minderwertiges Papier gibt bei Druck- und Stoßbelastung schneller nach als reißfeste Kraftpapierqualitäten.
  • Verarbeitung der Nähte und Klebung. Schwachstellen entstehen oft nicht in der Fläche, sondern an Nähten und Verschlüssen. Kräftige Schweißnähte und zuverlässige Klebstoffe reduzieren dieses Risiko.
  • Witterungsschutz. Gerade bei längeren Transportwegen oder Zustellung an der Haustür spielt eine Feuchtigkeitsbeschichtung eine Rolle, damit die Verpackung auch bei Regen, Nebel oder Schneefall ihre Schutzfunktion behält.
  • Passgenauigkeit zum Füllgut. Eine zu groß gewählte Verpackung lässt dem Artikel Spielraum, so dass er sich beim Transport bewegen und beschädigt werden kann. Die Wahl des jeweils richtigen Formats ist deshalb ebenfalls ein Schutzfaktor.

Studien aus dem Bereich E-Commerce-Logistik belegen, dass optimierte Verpackungsstrategien Transportschäden deutlich reduzieren (und ganz nebenbei Versandkosten senken). Wer an der Versandverpackung spart, verlagert deshalb lediglich Materialkosten auf die Kosten im Retourenprozess.

#2 Die Versandverpackung sichert den Wert als A-Ware

Auch der Produktschutz auf dem Rückweg der Retoure beeinflusst die Gesamtbilanz im Retourenmanagement: Wird ein Artikel zurückgeschickt, muss die Retoure den Transport unbeschädigt überstehen – nur so bleibt die Ware A-Ware und lässt sich ohne Wertverlust erneut verkaufen. Das ist nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern bekommt durch die EU-Verordnung zum Umgang mit unverkaufter Ware (ESPR) zusätzliches Gewicht, da die Vernichtung intakter Retouren zunehmend eingeschränkt wird.

Damit eine Versandverpackung diesen zweiten Transportweg übersteht, sollte sie neben den oben aufgelisteten Eigenschaften von Anfang an auch für eine Retournierung ausgelegt sein – etwa durch eine zweite, unabhängig vom Erstversand nutzbare Klebelasche. So bleibt die ursprüngliche Verpackung stabil genug, um direkt als Retourenverpackung eingesetzt zu werden, ohne dass Kunden improvisieren müssen.

#3 Die Versandverpackung verbessert das Kundenerlebnis

Der dritte Faktor ist weniger technisch und stärker aus Kundensicht gedacht: Trägt die Versandverpackung zur “frustfreien Retoure” bei? Wie einfach lässt sich eine Sendung für den Rückversand vorbereiten?

Konkrete Komfort-Features der Versandverpackung machen hier den Unterschied:

  • Aufreißperforation. Erleichtert das Öffnen beim Erstversand, ohne die Versandverpackung zu beschädigen.
  • Doppelte Klebelasche. Kunden müssen keine eigene Verpackung, Schere oder Klebeband organisieren, um den Artikel zurückzuschicken.

Nebeneffekt: Retournierbare Versandverpackungen senken gleichzeitig den Verpackungsverbrauch und unterstützen ein glaubwürdiges nachhaltiges Retourenmanagement, was ebenfalls auf eine positive Customer Experience umweltbewusster Endkunden einzahlt.

Checkliste für die Wahl der Versandverpackung

Für Onlinehändler und Fulfillment-Dienstleister lohnt sich beim Blick auf die eigene Verpackungslösung eine kurzer Check:

  • Ist das Material stabil und reißfest genug für die transportierten Artikel?
  • Sind Nähte, Klebung und Verschluss auf Belastung ausgelegt?
  • Passt das Format zum Füllgut oder bleibt unnötig viel Leerraum?
  • Lässt sich dieselbe Verpackung für eine Retoure wiederverwenden?
  • Ist das Öffnen und Wiederverschließen für Kunden ohne Hilfsmittel möglich?

Wer diese Punkte systematisch prüft, bindet die Versandverpackung smart in die Retourenstrategie ein – neben Produktbeschreibungen, Größenberatung und Rücksendeprozessen.

Fazit

Retourenmanagement wird meist von der digitalen Prozessseite her gedacht. Die physische Versandverpackung selbst bleibt oft unbeachtet, obwohl sie an verschiedenen Stellen Einfluss nimmt: Sie schützt vor Beschädigung auf dem Hinweg, wirkt wert-wahrend im Retourenfall und beeinflusst das Kundenerlebnis mit.

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Quellen:
EHI Retail Institute: Studie „Versand-, Verpackungs- und Retourenmanagement im E-Commerce”
Bitkom-Studie zum Retourenanteil im deutschen Online-Handel
Otto-Friedrich-Universität Bamberg / retourenforschung.de: Statistiken zu Retourengründen

Manuela Wittmann

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